Ostern Taizé 2017

Als ich aus dem Bulli aussteige und meine Füße den Boden berühren, wirbelt Staub auf und kleine Steinchen stoßen aneinander. Ich schaue in die Sonne und verdecke mit einer Hand mein Gesicht, um meine Augen an das grelle Licht zu gewöhnen. Aus der Ferne vernehme ich leise Gitarrenmusik und das Singen der anwesenden Jugendlichen - wobei in Taizé der Begriff „Jugendliche“ doch recht locker ausgelegt wird; üblicherweise sieze ich 29jährige im Alltag. Aber in Taizé ist das Leben ohnehin lockerer und einfacher als in Deutschland.

Nachdem Sabrina uns einen überdachten Schlafplatz organisiert hat und ich erkennen muss, dass ich mal wieder vollkommen umsonst mit meinem Zelt angereist bin, kann die Woche nun auch offiziell beginnen. Wir beziehen unsere Baracken und machen uns bei strahlendem Sonnenschein mit unsere Decken auf einer nahe gelegenen Wiese gemütlich.

Gegen Abend macht uns die sinkende, aber immer noch angenehm warme, Sonne darauf aufmerksam, dass es bald Abendessen geben wird, etwas, dass wir nach einem langen Tag und einer noch längeren Nacht in den Bullis gut gebrauchen können. Mit den Tellern und Schüsseln, die sich auf einem kleinen Tablett befinden, machen wir uns auf zu ein paar im Schatten stehenden Bänken, um uns dort unsere verdiente Stärkung zuzuführen.

Einige Zeit später ertönt auf einmal Glockengeläut; es ist Zeit für das Abendgebet. Mit einer Messe voller Gesang und einer zwischenzeitlichen Stillephase werden wir auch von den Brüdern der Communauté willkommen geheißen. Nach dem Abendgebet und einem kurzen Rundgang über den abendlichen Versammlungsort, legen wir uns in unsere Betten und versuchen den Schlafmangel der letzten Nacht aufzuholen.

Am nächsten Morgen werden wir von Glockengeläut geweckt, die Morgenmesse steht an. Wir suchen uns einen Platz auf dem Boden der Kirche, wo wir schnell von vielen anderen Menschen umringt werden. Durch die vielen Gesänge während des Gottesdienstes wachen wir ein wenig mehr auf, als dies zunächst der Fall war und bekommen auch mehr Hunger. In der Schlange an der Essensausgabe hören wir überall das Wort „Schokolade“, einige von uns wissen bereits, was gemeint ist. Je weiter wir im Gedränge immer weiter nach vorne geschoben werden, desto mehr erkennen auch die „Neuen“ den Grund für das Gemurmel. Vorne angekommen, werden uns Brötchen, Tee und Schokoladenstücke angereicht und wir versammeln uns zum Essen erneut an einer Bank. Stück für Stück verkleinert sich unsere Gruppe dann auch wieder, die Mitarbeit steht an und einige von uns müssen zeitig los.

Nach einem, für manche von uns, anstrengenden aber für alle auch immer wieder lustigen Vormittag treffen wir uns in der Kirche zum Mittagsgebet wieder, auch dieses wird mit Glockengeläut begonnen. Erneut stellen wir uns danach in der Essensschlange an und bekommen etwas Warmes in die Hand gedrückt. Mit vollen Bäuchen geht es danach zu einer kleinen Mittagspause zurück zu unserer Wiese, es wird gelesen und musiziert.

Ausgeruht geht es am Nachmittag zur Bibeleinführung, welche je nach Kleingruppe sehr unterschiedlich ausfallen kann, von intensiven Diskussionen über ethische und gesellschaftliche Themen bis hin zu ebenso intensivem Spielen ist alles dabei. Am späten Nachmittag gibt es dann Tee mit einem kleinen Snack und wir finden als Gruppe wieder zusammen. Mal wieder geht es auf zur Wiese, das gute Wetter muss schließlich ausgenutzt werden und ausreichend ermattet für eine kleine Pause ist man fast immer. Gegen Abend gibt es dann wieder etwas zu Essen und im Anschluss einen erneuten Gottesdienst.

Als ich spät am Abend in die Flammen des Osterfeuers schaue, frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist, die wir in Taizé verbracht haben. Wie immer ging sie viel zu schnell vorbei, um sich mit all den Menschen, die man kennengelernt hat, ausreichend zu unterhalten und die Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes zu genießen. Nachdem am nächsten Morgen alles in den Bullis verstaut ist und wir uns auf dem Heimweg befinden, überkommt uns alle ein etwas mulmiges Gefühl, wir wären alle gerne länger geblieben.